Die Entscheidung

Dodge Charger 73

DIE ENTSCHEIDUNG!
1989 - Ein Kumpel überredete mich, einen Ami zu kaufen. Also, ab in den nächsten Zeitungsladen und eine Chrome & Flammen gekauft. Nach kurzem durchblättern stand fest, ab nach Wessiland um einen Chrysler Cordoba 73 zu begutachten. ( ach ja, wir hatten natürlich absolut null Erfahrung ).

DIE ERSTE ENTTÄUSCHUNG
Nachdem wir ungefähr 500 km gefahren sind und um 6.00 früh dort ankamen, fuhren wir um 6.03 wieder Richtung Heimat, da wir feststellten, dass diverse tragende Teile am Fahrzeug einfach nicht mehr vorhanden waren.

DIE ZWEITE ENTTÄUSCHUNG
Wieder in Berlin-Dreilinden angekommen, dachten wir, dass wir aufgrund der mittlerweile eintretenden Müdigkeit eine Fata Morgana sahen. Dieses konnte nicht sein, da wir beide das Selbe gesehen hatten.
Ein 70er Challanger stand am Straßenrand und wurde zum verkauf angeboten. Nach erfolgter Vollbremsung, schauten wir uns den Wagen an. Es war ein Schaltwagen mit diesem herrlich langen Schalthebel, wie man diese schon aus älteren Opels kannte. Den Typen angerufen, war er auch schon 10 min. später vor Ort.
 "Ne Runde mitfahren?". Na klar sagte ich, deswegen bin ich hier. Wir stiegen ein, er startete und hatte nichts besseres im Sinn, als den kalten Motor auf 5000 rpm "hochzujubeln".
Erster Gang, zweiter Gang,
JA, Er zeigte mir, was sein kalter Motor so drauf hatte. Ich dachte mir, kauf den Wagen nicht, da ich doch schon wusste, dass das Oel eine gewisse Temperatur aufweisen sollte, bevor man mal so richtig ins Pedal reintritt.
Später erfuhr ich durch Andere, dass es die richtige Entscheidung war. Jetzt erstmal einen Kaffee trinken und noch mal Chrome & Flammen durchblättern. Ach ja, da gab's ja noch den 73er CHARGER.
Also, nichts wie hin.

DER KAUF
Dort angekommen, öffnete der Besitzer die viel zu klein geratene Garage, so das kaum etwas von dem Charger zu erkennen war. Der Typ zwängte sich zwischen Garagenwand und Seitenteil bis zur Tür hindurch, wo er sich dann durch die sehr knapp geöffnete Tür ins Auto hineinquetschte.
Ich konnte aber schon die Chromfelgen und die 255er Reifen erkennen, was mich damals noch richtig begeisterte. Dann schmiss er den Motor an, es knallte, es blubberte, es bebte die ganze Garagenanlage. Er legte den Rückwärtsgang ein, die Drehzahl ging etwas runter, jetzt blubberte es richtig. Als er langsam rückwärts aus der Garage fuhr, die Sonne schien, wurde ich von irgendetwas geblendet. "Boooooh", es war wohl die gröbste, hardcoremäßigste Pink Glimmer Lackierung die es je gab.
Als einige Leute im benachbarten Hochhaus die Fenster schlossen und uns mit bösen Blicken hinter der Gardine "bestraften", machte er den Motor erstmal wieder aus. Das Blech war soweit in Ordnung. Die Innenausstattung, Tüv und der Motor waren nachweislich neu. Nachdem wir aber feststellten, dass das Getriebe etwas "muckte" entschieden wir uns noch einmal über den Kauf nachzudenken. Ein paar Tage später entschied ich mich den Wagen zu kaufen. Nachdem ich den Wagen umgemeldet hatte fuhr ich ca. 1 Woche und entschied mich dann, den CHARGE in eine Amiwerkstatt zu geben, um mal "kurz" nach dem Getriebe zu schauen.
Der kurze Blick kostete dann 4 Tage später, incl. kleinerer Nebenarbeiten 3000.-- DM.( oh Gott, war ich dumm ). Was soll's, dachte ich mir, der Wagen fährt, er fährt sogar richtig gut. Ich war absolut begeistert und die Rechnung war erstmal vergessen.

DIE NÄCHSTEN DREI JAHRE
Der Charger war jetzt mein Alltagsauto. Zwischendurch spendierte ich noch in ein paar 295er BFG's für die 10 Zöller, die ich auch im Winter gefahren habe.
Natürlich waren nach drei Jahren reichlich Gebrauchsspuren zu erkennen. Zwischendurch ging mir noch die Hinterachse kaputt und das mitten im Winter. Zufällig entdeckte ich, dass in Westdeutschland eine Werkstatt, eine passende Achse anbot.
Angerufen, 300 DM angezahlt, von dem Händler vertröstet, noch mal vertröstet, knapp zwei Monate gewartet, dann "kein Anschluss unter dieser Nummer". (ggrrrrrrrrg, der Schnee schmolz vor Wut unter mein Füssen und der Charger stand immer noch vor der Tür, im Dreck). Glücklicherweise fand ich dann doch noch eine Achse und nach drei Monaten warten und reichlich Kilometer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (würg!) konnte ich endlich meine Nachbarn wieder ärgern.
Nachdem 3 Jahre vergangen, ca. 80000 km abgespult und ca.20000 Liter Super verbrannt wurden, waren die Froststopfen zwischen Motor und Getriebe durchgefault, so das ein weiterfahren nicht möglich war. Ich entschied mich dann, den "Charge" gleich komplett zu zerlegen.

DIE RESTO
Die Restauration war fällig. Es dauerte ein halbes Jahr, bis ich eine geeignete Garage zum basteln fand. (inzwischen war es Herbst 1992). In der Zwischenzeit stand der Wagen das halbe Jahr in einer Sammelgarage. Als ich den "Charge" wieder aus dieser "Grotte" befreien wollte, bot sich mir ein Anblick des Schreckens. Sämtlicher Müll lag auf meinem Auto, die Tür hatte irgendwie Beulen erhalten und die damaligen Chromefelgen waren total verrostet.
In der neuen Garage angekommen, ging's gleich mit vollem Elan zur Sache. Ich dachte mir, so ein bißchen Blech und anderes Eisen wieder in Form zu bringen, kann eigentlich nicht so schwierig werden. Aber wie es nun mal so ist, kommt eins zum anderen und wenn man dann noch einen Garagenvermieter hat, der gerne quatscht und auch mal ein Bierchen trinkt, hat man das Wochenende damit verbracht in der einen Hand den Maulschlüssel und in der anderen Hand die Bierflasche zu halten. Und im Winter war es viel zu kalt etwas zu machen. Das größte Problem war, dass es für die hinteren Radläufe keinen Ersatz gab. Aber es gab GFK-Kotflügel für vorne. Also entschloss ich mich, die vorderen Radläufe großzügig rauszuschneiden um diese hinten wieder einzuschweißen. Mit "einigen" Gramm Zinn und wirklich wenig Spachtel habe ich es so einigermaßen hinbekommen.
 Nach mehreren Jahren gelegentlichem Basteln verging mir irgendwie die Lust mich noch mit irgendwelchen Kleinkram aufzuhalten. Der Lacker musste endlich zum Einsatz kommen. Nach einer Woche holte ich den Wagen vom Lackierer ab und meine Mundwinkel zogen sich hoch bis an die Ohrläppchen. Es schien die Sonne und es war ein Augenblick den ich nicht mehr vergessen werde. Fazit: Nicht alles ist perfekt, aber dafür selbstgemacht. (außer Lack) Die Lackierung war perfekt und ich hatte noch einen Tag um den Wagen einigermaßen fertig zu machen fürs Möbel Tegeler Treffen. Eine Woche später ging's dann auch schon nach Vasteras und der Charge lief und lief und lief.....

WAS IST AM ENDE DABEI HERAUSGEKOMMEN?
Viel Geld ausgegeben, aber noch viel mehr Spaß gehabt und ne Menge dufter Leute kennengelernt.